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Über 570 Buchtipps 
von Arno Udo Pfeiffer

Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft

Ein Klassiker neuaufgelegt. Die 1968 verstorbene US-amerikanische Autorin Dorothy Baker hat es verdient, nicht vergessen zu werden. Immerhin wurde ihr Roman 1950 u.a. mit Lauren Bacall und Kirk Douglas verfilmt. -  Im Mittelpunkt steht der weiße Musiker Rick Martin, ein talentierter Trompeter, der sich von unten nach oben arbeitet, zuerst seine Freunde begeistert und bald in allen Clubs und bei Schallplattenproduzenten heiß begehrt ist. Doch der rasante Aufstieg bringt ihn bald zu Fall…

Eine großartig erzählte, mitreißende, melancholische und tragische Geschichte. Ein kluges Buch, das ans Herz geht und noch lange im Kopf nachhallt. Nicht nur für Jazz-Fans eine lohnende Lektüre!

Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft

von Dorothy Baker

dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)

270 Seiten

Zorn. Lodernder Hass

Der Hallenser Kommissar Claudius Zorn, der mit einer schweren Verletzung zu kämpfen hat, nimmt eher zufällig einen jugendlichen „Feuerteufel“ auf frischer Tat fest. Man steckt ihn in eine Selbsthilfegruppe und dort beginnt das Ungemach erst richtig: Ein Mitglied der Therapiegruppe kommt ums Leben, andere werden bedroht. Zorns Kollege, der emsige, dicke Schröder, ermittelt undercover und gerät schließlich selbst in Lebensgefahr…

Das ist kein Krimi. Das ist ein Ereignis! Und zwar das turbulenteste und spannendste, was sich gerade in Mitteldeutschlands Krimiszene abspielt. Zorn und sein Partner Schröder sind kultig-originell. Auch ihr 7. Fall ist packend und witzig und sorgt weiterhin für akute Suchtgefährdung!

Zorn. Lodernder Hass

von Stephan Ludwig

Fischer Taschenbuch

448 Seiten

Die wilde Sophie

Der kleine Prinz Jan hat es nicht leicht mit seinem Vater. Der König des Zipfellandes ist überbesorgt und behütet Sohnemann erdrückend: Damit ihn weder Zugluft noch Mücken schaden, werden u.a. die Fenster zugenagelt. Selbst das große „E“ wird aus der Landessprache verdammt, da es zu sehr einer gefährlichen Gabel ähnelt. Der Junge lebt wie ein Gefangener. Erst die aufgeweckte, wilde Sophie bringt Abwechslung und Abenteuer in sein Leben. Doch Papa König schiebt im wahrsten Sinne des Wortes einen Riegel vor…

Eine wundersame und gelungene Geschichte, die kleine Leser kurzweilig unterhält und mehr als ein Lachen ins Gesicht zaubert. Da gibt es einige Überraschungen zu erleben und nach verrückten und bedrohlichen Erlebnissen natürlich - ein Happy End!

Die wilde Sophie

von Lukas Hartmann

Diogenes Verlag

250 Seiten

(Für Kinder ab 7!)

Durst

Auf einer Dating-App werden Frauen Opfer eines brutalen Mörders mit absonderlichem Trinkbedürfnis. Die Mordkommission ist überfordert und ratlos und wendet sich an einen Fachmann für Serienkiller, der sich als Lehrer an eine Polizeischule zurückgezogen hat. Der kantige Ermittler Harry Hole muss bald feststellen, dass der Täter mit dem Morden immer näher kommt und offenbar kein Unbekannter ist…

Die Lektüre ist wie eine Snowboardfahrt. Es geht rasant auf und ab. Manchmal scheint es einen aus der Kurve zu tragen, dicht an einem Abhang vorbei. Unerwartete Überraschungen säumen den Weg, dass einem ganz schwindlig wird. Zuweilen auch übel. Da könnten beim Lesen die Poren schon mal Angstschweiß absondern. Harry-Hole-Fans werden kleine Längen zwischendurch als verdiente Atempausen zu schätzen wissen. Ein Muss für Skandianiven-Krimi-Liebhaber!

Durst

von Jo Nesbö

Ullstein Verlag

620 Seiten

Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß

Da ist er wieder: Der Mann mit den vorzüglichen Kurzgeschichten, der auf den Punkt bringt, wofür andere Romane brauchen. Diesmal resümiert er, was er nach 20 Jahren über seine Frau Olga weiß. Dass sie Handtaschen, Stricken, Katzen, Kochen, Grünpflanzen und Lesen liebt. Der Autor analysiert die Macken seiner Frau kritisch, aber immer mit Augenzwinkern und sehr liebevoll. Wie manche Russen eben zuweilen sind. Dieser mit Sicherheit!

Das sind 27 Erzählungen (max. 10 Seiten) im typisch trockenen und zugleich spritzigen Kaminerschen Humorstil, der einem wenigstens ein Lächeln abringt, aber im Normalfall höllisch laut los lachen lässt. Da schwellen Oberschenkel rot an. Die perfekte Medizin für missgelaunte Misanthropen. 

Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß

von Wladimir Kaminer

Wunderraum Verlag

189 Seiten

100 Highlights Südamerika

Eigentlich hat Südamerika tausende Highlights zu bieten. Dich die Autoren beschränken sich halt auf die schönsten: Von Venezuela und Kolumbien im Norden, über Bolivien und Uruguay in der westlichen Mitte bis Argentinien und Chile im Süden; vom Rachen des Teufels bis zu den göttlichen Osterinseln. Ein Kontinent voller Naturwunder. Das belegen die prächtigen Farbfotos, aus denen man meint, das Rauschen der Wasserfälle und das Lachen der lebensfrohen Menschen zu hören. (Ein Reiseführer allerdings, keine sozialpolitische Analyse!)

Wenn der deutsche Reisejournalist und – buchautor Drouve an Südamerika denkt, möchte er am liebsten gleich wieder hin. Wer aber noch nie dort war und das Buch kennt, denkt: Wieso war ich eigentlich noch nie da?!

100 Highlights Südamerika

von Andreas Drouve (Hrsg.)

Bruckmann Verlag

320 Seiten

Der Fluch der Kartenlegerin

Weimar im Winter 1798. Christian Vulpius macht sich daran, Bestsellerautor zu werden, und mit riesigen Auflagen seinen künftigen Schwager Goethe in den Schatten zu stellen. Da bekommt er es mit einem Todesfall zu tun. Die Hebamme Josefina hat offenbar Selbstmord begangen. Aber Vulpius kommen Zweifel. Eine französische Kartenlegerin, die gerade durchs Land tingelt, hat verschiedene mysteriöse Todesfälle vorher gesagt. Josefina hat irgendetwas daran stutzig gemacht. Wenig später ist auch der Bruder der Geburtshelferin tot.

Ein solide recherchierter, atmosphärisch dichter und fantastisch fesselnder Historien-Krimi. Da schnuppert man den Duft des klassischen Weimars, begegnet Goethe und Schiller und freut sich, mittendrin zu stecken.

Der Fluch der Kartenlegerin

von Guido Dieckmann

Aufbau Taschenbuch Verlag

411 Seiten

Welterbe. Deutschlands lebendige Vergangenheit

Die großartigen 42 Welterbestätten in ganz Deutschland auf einen Blick. Hier werden Natur- und Kulturliebhaber ihr blaues Wunder erleben: Ein Prunkband mit bestechend schönen Bildern (insgesamt 200 Abbildungen) von Natur- und Parklandschaften, Kirchen, Klöstern, Schlössern und städtebaulichen Wunderwerken, die von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurden. (Viermal ist Sachsen-Anhalt vertreten!)

Beim Anschauen bleibt einem die Luft weg von all der Schönheit und man möchte vor Wonne in die Knie sinken! Ein überwältigendes Anschau- und Leseerlebnis, das große Lust macht, die Orte und Landschaften persönlich in Augenschein zu nehmen! Mit solchen Geschenken kann man Eindruck machen!

Welterbe. Deutschlands lebendige Vergangenheit

von Günther Bayerl und Florian Heine

Frederking & Thaler

320 Seiten

Auf der Suche nach dem Weihnachtsmann

Ein besonderer Schneemann steht im Garten: Er bewegt sich, wie ein sprechendes Rotkehlchen feststellt. Ist halt ein Märchen. Da sprechen Tiere und Schneemänner begeben sich auf die Suche nach dem Weihnachtsmann, um ihm eine Freude zu bereiten. Doch als der Schneemann endlich ankommt, steht er mit leeren Händen vor dem Gesuchten, denn jedes Tier, das der Schneemann fragt, verlangt etwas für die Antwort...

Eine mitreißende, vergnügliche Weihnachtsgeschichte ohne erhobenem Zeigefinger. Wunderbar die großformatigen, detaillierten Illustrationen, die die Kinder hautnah dabei sein und mit dem kleinen Schneemann mitfühlen lassen, der seelenruhig und konsequent sein Ziel verfolgt. Am Ende lächeln alle Geschichtenlauscher übers ganze Gesicht!

Auf der Suche nach dem Weihnachtsmann

von Thierry Dedieu (Text und Bild)

Aracari Verlag

64 Seiten

Für Kinder ab 4!

Stimme der Toten

Tatortreinigerin Judith Kepler macht ihren Job in einem großen Bankhaus. Dort ist ein Mann in die Tiefe gestürzt. Es sieht nach Selbstmord aus. Aber dann entdeckt Judith blutige Spuren, die die Polizei übersehen hat. Sie meldet das und prompt hat sie ein paar gewalttätige Typen an den Hacken. Die Frau gerät mitten in eine üble Verschwörung. Hacker haben es auf die Bank abgesehen. Und plötzlich hockt die Tatortreinigerin zwischen die Fronten verschiedener Geheimdienste und dem BKA. Und sie stößt auf ihre eigene Vergangenheit…

Die Herrmann versteht ihr Handwerk und spinnt einen Kokon aus Überraschungen und Spannung, in dem sie ihre LeserInnen gnadenlos festsitzen und nicht ein Quäntchen Raum zum Entkommen lässt. Im Gegenteil. Stück für Stück zieht sie das Netz noch enger zusammen.

Stimme der Toten

von Elisabeth Herrmann

Goldmann Verlag

540 Seiten

Grimms Morde

1821 wird in Kassel die ehemalige Mätresse des Landesfürsten brutal ermordet. Bei der Leiche findet die Polizei ein Zitat aus der Märchensammlung der Brüder Grimm. Die beiden couragierten Schwestern Jenny und Annette Droste-Hülshoff, letzte gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen, helfen den verdächtigen Grimms bei der Suche nach dem wahren Täter. Der nächste Mord lässt nicht lange auf sich warten und die  Frauen geraten selbst in Lebensgefahr…

Ein solide recherchierter historischer Kriminalroman, der gelungen zwischen Wahrheit und Fiktion wandelt, und uns mitten in eine grausame Mordserie führt, die für Gänsehaut sorgt. Das dauert ein bisschen, wird dann aber umso intensiver und umso mehr Freude hat man an den schweißtreibenden Entwirrungen.

Grimms Morde

von Tanja Kinkel

Droemer Verlag

472 Seiten

Tausend Teufel

Der zweite Fall für den Dresdner Oberkommissar Max Heller. 1947. Es ist eisig kalt. Die Stadt liegt in Trümmern. Die Menschen hungern. Zwei russische Offiziere werden kurz hintereinander tot aufgefunden, der eine ohne Kopf. Heller ermittelt, die Sowjets beobachten ihn mit größtem Argwohn und funken ständig dazwischen. Zumal eine Gruppe herunter gekommener, bewaffneter Waisenkinder die kleinen Händchen im Spiel hat und alte Nazis noch ihr Unwesen treiben…

Glaubwürdig, ergreifend und super spannend! Die Figuren leben und atmen und stöhnen. Man friert und zittert mit ihnen mit. Ein konsequenter, starker Ermittler, der sich von keinem rein reden lässt. Dieser Heller ist helle und ganz schnell Kult geworden! Seine Geschichten tragen Suchtcharakter!

Tausend Teufel

von Frank Goldammer

dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)

365 Seiten

Winterschwimmer

Osang erzählt 14 Geschichten aus der Weihnachtszeit, allerdings weder besinnlich, noch festlich; statt um Lust geht’s um Frust, um Menschen, die unter Erfolgsdruck, Trennungsschmerz, Enttäuschungen und Zukunftsängsten leiden. Ein Immobilienmakler vergibt seine eigene Wohnung, um mit seiner Vergangenheit zu brechen; zwei Senioren fliehen aus dem Altenheim, um sich einen Traum zu erfüllen; ein Geschäftsführer verliert wegen eines verliehenen Jacketts seine Existenz…

Klug und berührend sind diese Erzählungen, aufrüttelnd und aufheiternd zugleich. Sprachlich-stilistisch eine wahre Freude. Sie regen zum Nachdenken an über das eigene Leben und all die Oberflächlichkeiten, die einen umgeben. Ein ideales Weihnachtspräsent! Vorm Verschenken sollte man es allerdings unbedingt selber lesen!

Winterschwimmer

von Alexander Osang

Aufbau Verlag

239 Seiten

Hundert Tage Amazonien

Die LeserINNEN begleiten den Autor durch den südamerikanischen Dschungel, durch faszinierende Landschaften voller Ursprünglichkeit und Schönheit und lernen auch die Nöte und Gefahren der einheimischen Völker kennen. Da wird einem ganz eng um den Hals und das Schlucken fällt schwer. Das ist so unmittelbar, als wäre man selbst vor Ort, könnte den Regen riechen und sehen, wie einzigartig er die Natur verzaubert. Eine Welt zum Staunen!

Die Fotos sind wunderschön und absolut eindrucksvoll. Sie stimmen einen froh und ängstlich ob der Vergänglichkeit. Die Texte sind sehr persönlich, fast intim; ein liebevolles und mahnendes Plädoyer, diesen lebenswichtigen Teil des Planeten zu schützen. Ein lohnendes Anschau- und Leseerlebnis!

Hundert Tage Amazonien

von York Hovest

National Geographic

220 Seiten

Das Glück des Zauberers

Pahroc gehört zu den großen Magiern seiner Zeit: Er meistert sein Leben in verschiedenen Berufen, kann fliegen, durch Wände gehen, sich in Stahl verwandeln und Geld herbei zaubern. Er ist begeistert, als er diese wunderbaren Fähigkeiten auch bei seiner kleinen Enkelin Mathilda zu entdecken glaubt. Er schreibt ihr Briefe, die sie erst als Erwachsene bekommen soll: Darin erteilt der Hundertjährige Ratschläge fürs Zaubern und erzählt aus seinem Leben im turbulenten 20. Jahrhundert mit all seinen Höhen und Tiefen, mit der Zerstörung und dem Wiederaufbau.

Das ist bewegend, humorvoll und sehr gesellschaftskritisch. Man lauscht fasziniert Nadolnys Mahnungen. Ein zauberhaftes Buch voller Zuversicht und Gefühl. Hier entdeckt man wieder die wahre Größe des magischen Erzählers.

Das Glück des Zauberers

von Sten Nadolny

Piper Verlag

316 Seiten

Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen

Der kleine Tom wird mitten in der Nacht von einem unheimlichen Geräusch geweckt. Er hat Angst. Er läuft zum Papa und der erfährt, dass das kleine Geräusch zu einem monströsen Bangemacher „mit ohne Arme und Beine“ anwächst. Doch Papa hat einen cleveren Tipp für Tom!

Eine feinfühlige Vorlesegeschichte für kleine Zuhörer, die gemeinsam mit Tom durch das nächtliche Haus wandeln und lernen, wie man solcheGespenster  vertreibt! John Irvings Kindergeschichte, die Teil eines seiner Romane war, nimmt kleine Angsthasen sanft an die Hand und macht ihnen großen Mut. Mit atmosphärischen Illustrationen von T. Hauptmann, die allerhand entdecken lassen.

Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen

von John Irving (Illustrationen: Tatjana Hauptmann)

Diogenes Verlag

36 Seiten

Blutebbe

Auf einem Geisterboot im Watt werden zwei schrecklich entstellte Frauenleichen gefunden. Der Mörder hat eine geheimnisvolle Rune hinterlassen. Handelt es sich um einen Ritualmord? Das Ermittler-Duo Knut Jansen und Helen Hennig stößt bei der Untersuchung auf einen alten Todesfall, in dem Knut Jansens Vater einst ergebnislos ermittelte. Hat der Täter seitdem unbemerkt sein Unwesen getrieben? Bald werden die Ermittler selbst zu Gejagten…

Sensibelchen könnte es schon mal den Magen umdrehen. Meister treibt seine Geschichte hemmungslos voran und seine LeserINNen durchs Buch. Dabei kitzelt er entsprechend gnadenlos die Nerven, dass sich Nackenhaare mitunter vor Grauen kräuseln. Ideale Lektüre für die kalte Jahreszeit, denn beim Lesen wird einem heiß!

Blutebbe

von Derek Meister

Blanvalet Verlag

396 Seiten

Die Räuberbraut

1800 lernt die 19-jährige Bänkelsängerin Juliana Blasius den Räuber Johannes Bückler kennen, der als Schinderhannes bekannt und schon zu Lebzeiten eine Legende ist. Das arme Mädchen verliebt sich in den charmanten, wortgewandten, vermeintlichen Robin Hood vom Hunsrück und muss zunehmend erkennen, was sie anfangs nicht wahr haben will: Ihre große Liebe ist ein rücksichtsloser, feiger Verbrecher und brutaler Mörder.

Der Roman beruht auf Fakten und solide Recherchen und zeigt den Räuber und seine Braut sehr menschlich und äußerstlebendig. Man kann sie fast atmen hören. Nach und nach bohrt sich die Autorin in die Tiefe und Abgründe der Seele und hinterlässt ein packendes Porträt und eine berührende, mitreißende Geschichte.

Die Räuberbraut

von Astrid Fritz

Wunderlich Verlag

495 Seiten

Und Marx stand still in Darwins Garten

Sie haben versucht, die Welt zu verändern. Ihre Hauptwerke sind geschrieben. Nun haben nicht mehr lange zu leben: Der Kapitalismuskritiker Karl Marx und Charles Darwin, der nicht als „Gottesmörder“ in die Geschichte eingehen will. Beide blicken auf ihr Leben zurück, sind krank und mürrisch und von Selbstzweifel geplagt. In Wirklichkeit sind sie sich nie begegnet; im Roman schon.

Mit feinem Faden spinnt die Autorin sprachlich brillant eine Geschichte, in der sie den historischen Persönlichkeiten pralles Leben einhaucht, unbekannte Seiten beleuchtet und sie durch einen Trick aufeinanderstoßen lässt. Das ist manchmal langatmig, aber überwiegend kurzweilige, solide und anspruchsvolle Unterhaltung, die Vergnügen bereitet.  

Und Marx stand still in Darwins Garten

von Ilona Jerger

Ullstein Verlag

285 Seiten

Endzeit

Berlin 1945. Der jüdische, ehemalige Kommissar der Mordkommission Richard Oppenheim und seiner Frau Lisa verstecken sich vor den Nazis. Die Russen rücken näher. In ihrem Keller bekommen die beiden einen Mitbewohner, der einen rätselhaften Koffer bei sich hat. Die Russen und einige andere sind an ihm sehr interessiert. Die Ereignisse überstürzen sich, es bleibt ein Chaos. Lisa wird vergewaltigt; Richard schwört Rache und stößt auf lauter Lügen und üble Intrigen...

Wieder ist Gilbers eine überzeugende und packende Geschichte gelungen, die einen ergreift und frösteln macht; hervorragend recherchiert, mitreißend geschrieben, verzichtet der Autor auf verlockende Klischees. Auch der dritte Band um Kommissar Oppenheim verspricht und hält - ein großartiges Lesevergnügen.

Endzeit

von Harald Gilbers

Knaur Taschenbuch

554 Seiten