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Buch, Bücher, am Büchersten

Über 570 Buchtipps 
von Arno Udo Pfeiffer

Der Feind in mir

Die Hypnosetherapeutin Olivia bekommt einen seltsamen Patienten: einen einsamen, jungen Schauspieler namens Collin, der glaubt, verrückt zu werden. Unter Hypnose verändert er seine Sprache und ist plötzlich ein ganz anderer – ein Serienkiller, der es vor 50 Jahren auf Frauen abgesehen hatte. Woher hat der Junge sein detailliertes Wissen? Was hat seine tote Mutter mit dem Fall zu tun? Macht er Olivia etwas vor? Plötzlich gibt es ganz ähnliche Mordfälle. Und auch auf die Therepeutin hat es offenbar jemand abgesehen…

Ein Buch, das einen schnell in den Bann zieht, und Gänsehaut verursacht. Den Spuren, die der Autor legt, darf man keinesfalls trauen! Wie so oft, ist doch alles ganz anders. Und in diesem Fall: Ausgeklügelt, originell und fesselnd. An der Vorlage hätte selbst Hitchcock seine Freude gehabt!

Der Feind in mir

von Kevin O‘Brien

Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag

604 Seiten

Eisesgrün

Frühling in der Goethe-Stadt Weimar. Zwei Parkarbeiter entdecken ein merkwürdiges Grab: eine Holzkiste, in der eine Puppe bestattet wurde. Als nächstes wird ein begrabener Hund gefunden und schließlich – Menschenknochen. Streifenpolizist Woltmann ermittelt, der viel lieber ein Kripo-Beamter wäre, gemeinsam mit seiner ehemaligen Jugendfreundin Mandy Hoppe, die zur Leitung der Weimarer Mordkommission gehört. Sie kommeneinem Verbrechen aus DDR-Zeiten auf die Spur: Experimente an Menschen…

Die Verdächtigen häufen sich und jeder einzelne hätte überzeugende Motive. Autor Leibrock gibt sich selbst mit Nebenfiguren sehr viel Mühe, macht nebenbei Lust auf einen nächsten Städte-Trip nach Weimar und treibt den Leser durch einen Parcours unerwarteter Wendungen. Die größte Überraschung lauert am Schluss! Das ist nicht immer klischeefrei, aber vergnüglich und fesselnd.

Eisesgrün

von Felix Leibrock

Knaur Taschenbuch Verlag

367 Seiten

Scherbenkind

Kriminalhauptkommissarin Verena Sander soll einen alten Mordfall erneut aufrollen. Vor zwei Jahren wurde in einer Kleingartensparte ein Mann brutal erschlagen. Ein kleines Mädchen am Telefon behauptet, den Mörder zu kennen. Allerdings weigert sie sich, dessen und auch ihren Namen anzugeben. Die Rückverfolgung des Anrufs führt zu einer Familie, gegen die bereits wegen Missbrauchs ermittelt wurde. Doch von dem Kind keine Spur. Ein anderes Mädchen schneidet sich die Halsschlagader auf. Verena Sander ist sicher, dass die Fälle irgendwie zusammenhängen.

Ein brillanter, wendungsreicher, packender Krimi! Da könnten beim möglichst raschen Umblättern die Fingerkuppen wund werden. Absolut nichts für Sensibelchen. Eine Geschichte, die in die Tiefe und gewaltig an die Nieren geht.

Scherbenkind

von Britt Reißmann

Diana Verlag

474 Seiten

Totensee

Hobbytaucher finden inmitten eines Baggersees ein Autowrack, auf dem Rücksitz zwei Leichen, eine Frau und ein Mann. Die Darmstädter Kripo-Beamten Margot Hesgart und Steffen Horndeich untersuchen den Fall, der ihnen einige Rätsel aufgibt. Sie ermitteln, dass das einst junge Pärchen bereits seit den 80er Jahren vermisst wird. Bald entdeckt man in einem alten Bunker einen weiteren Toten mit Schussverletzungen. Horndeich hatte erst kurz zuvor mit dem Mann gesprochen – über die Leichen im See. Gibt es einen Zusammenhang? Die Spuren führen zur RAF zurück und zu Machenschaften der Stasi… 

Ein solide recherchierter, gut geschriebener, überzeugender Krimi, der die Spannung bis zum Schluss hält wie ein Bogenschütze seine Sehne. Und auch die Auflösung „surrt“ noch etwas nach.

Totensee

von Michael Kibler

Piper Taschenbuch Verlag

389 Seiten

Racheengel

Das Mädchen Galya stammt aus der Ukraine und träumt davon, in Nordirland ein besseres Leben zu führen. Als man sie zur Prostitution zwingen will, wehrt sie sich und tötet ihren brutalen Freier, der ausgerechnet der Bruder des litauischen Mafiabosses ist. Sie flieht und löst eine Welle der Gewalt aus; ein psychopatischer Killer verfolgt sie. Der Belfaster Ermittler Jack Lennon gerät in eine wilde Hetzjagd und selbst in Lebensgefahr.

Ein fesselnder Thriller in düsterer Atmosphäre. Neville lässt seine LeserInnen in schreckliche Abgründe schauen und gibt ihnen das Gefühl, in diese selbst zu stürzen. Das liegt sowohl an den überraschenden Wendungen als auch an der rasanten Schreibweise, die beim Lesen Kurzatmigkeit erzeugt und für Gänsehaut sorgt - sogar mit ungesagten Dingen. Grandios wie alle Bücher von Neville!

Racheengel

von Stuart Neville

Aufbau Taschenbuch

395 Seiten

Die Stimme des Vergessens

Nachlassverwalterin Kristina Mahlo soll die Hinterlassenschaften des alten Schettlers regeln, der an einem Schlaganfall gestorben ist. Offenbar litt der Mann unter Verfolgungswahn: Er hatte sich in seiner Wohnung regelrecht verbarrikadiert. Er fürchtete, ermordet zu werden, und warnte vor dem Diebstahl wichtiger Unterlagen aus seinem Schließfach. Als diese tatsächlich verschwinden, wird Kris Mahlo stutzig und recherchiert. Sie stößt auf eine Familientragödie, die Jahrzehnte zurück liegt, sowie auf mysteriöse aktuelle Todesfälle…

Ein spannender Krimi, der mitzittern lässt. Kornbichler-Fans kommen voll auf ihre Kosten – mit einer gut ausgeklügelte Geschichte und realistischen, glaubwürdigen Protagonisten. Man könnte die Autorin als deutsche Agathe Christi bezeichnen, das heißt: Man muss sogar!

Die Stimme des Vergessens

von Sabine Kornbichler

Piper Taschenbuch Verlag

414 Seiten

Blau ist die Nacht

1949 in Belfast. Der 27-jährige evangelische Handwerker Taylor soll die Katholikin Mary Mc Gowin in ihrer Wohnung überfallen haben. Sie stirbt später an den Verletzungen; identifiziert den Täter aber vorher noch. Für andere Mitbürger ist Taylor ein Held. Der große Glaubenskonflikt schwelt bereits. Richter Curran will den Kerl hängen sehen, doch sein vermeintlicher Vertrauter denkt eher an die Karriere und erpresst Curran. Taylor kommt schließlich frei. Drei Jahre später stirbt die minderjährige Tochter des Richters unter mysteriösen Umständen. Bald darauf geschieht ein weiterer, ähnlich gelagerter Frauenmord. Doch in Nordirland gibt es Wichtigeres als Gerechtigkeit!

Eine markerschütternde und zudem wahre Geschichte um Verrat und Korruption in einem religiös zerrissenen Land. Mehr Gesellschaftskritik als Krimi. Sprachlich perfekt, packend und provozierend. Lässt schon mal das Blut in den dern gefrieren.

Blau ist die Nacht

von Eoin McNamee

dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)

265 Seiten

Vergessen wirst du nie

In Stockholm wird eine junge, nackte Frau gefunden. Sie ist völlig traumatisiert und nicht in der Lage, eine Aussage zu machen. Die Polizei steht vor einem Rätsel, als dann auch noch der Klavierlehrer ermordet wird, vor dessen Wohnung das Opfer aufgegriffen wurde. Der hatte mit vielen jungen Mädchen zu tun, aber keines ist bereit zu reden, was wirklich während des Musikunterrichts geschah. Ist der Mann ein Täter oder selbst ein Opfer? Komplizierte Ermittlungen erwarten Kommissar Sjöberg und sein Team…

Eine der erfolgreichsten schwedischen Reihen. Und auch dieser Fall reißt mit. Obwohl es nicht immer leicht ist, derGeschichte zu folgen, zumal die Autorin Dinge ausspart, die sie bereits in zuvor erschienenen Büchern erwähnt hat. Ansonsten eine lohnende, sehr lesenswerte Lektüre für echte Skandinavien-Krimi-Fans!

Vergessen wirst du nie

von Carin Gerhardsen

Bastei Lübbe Taschenbuch Verlag

398 Seiten

Die Stunde der Entführer

In kurzer Zeit werden in London 6 Kinder hochrangiger Politiker und einflussreicher Industrieller entführt. Die Kidnapper fordern kein Lösegeld, sondern einen „Zuschuss“ für ihre „Geschäftsausgaben“ in Höhe von 25 Millionen Pfund pro Opfer! Die Polizei ist ratlos. Der coole Ex-Cop Charles Boxer schaltet sich ein, der sich auf komplizierte Entführungsfälle spezialisiert hat. Hinzu kommt, dass ein ehemaliger Geheimagent verschwunden ist, der in fragwürdige Waffengeschäfte verwickelt ist. Boxer wird bald klar, dass die Fälle miteinander zu tun haben und – dass es die Hintermänner auf ihn abgesehen haben…   

Ein rasanter, harter Thriller, der ein paar Kürzungen vertragen hätte, doch Wilson hält seine LeserInnen gnadenlos im Griff und mit unerwarteten Wendungen routiniert bei der Stange.

Die Stunde der Entführer

von Robert Wilson

Goldmann Verlag

476 Seiten

100 Highlights Skandinavien

Ein Reiseführer und Routenentdecker für Skandinavien-Fans und jene, die schon lange neugierig auf den Norden sind: Finnland und Schweden mit ihren abertausend Seen; Dänemark zwischen den zwei Meeren und Norwegen mit seinen tausend Fjorden. Wo Elfen tanzen und Walküren reiten; wo man Orcas, Moschusochsen und Walrösser live erleben kann; wo einen Mitternachtssonne und Polarlichter, die Vielfalt und Farbenpracht der Natur atemlos machen; wo man Einsamkeit und quirliges Leben gleichermaßen genießen kann, beispielsweise in der Stadt des „flüssigen Sonnenscheins“.

Mit Restauranttipps und vielen weiteren Insider-Informationen. Allein die wunderbaren Fotos von Petra Wöbke machen Lust, umgehend aufzubrechen und Skandinavien zu erkunden - per Schiff, per Zug, per Auto, Pferd oder per pedes. Oder endlos durch das Buch zu blättern.

100 Highlights Skandinavien

von Thomas Krämer (Hg.)

Bruckmann Verlag

320 Seiten

Kinderjahre

Jona ist vier Jahre alt, als er 1942 mit seinen Eltern nach Bergen-Belsen deportiert wird. Er sieht zwar, was um ihn passiert, versteht es aber nicht. Der Junge erlebt das Grauen des Lagerlebens und bringt sich und seine Eltern durch seine Naivität immer wieder in Lebensgefahr. So ein Kind hat andere Dinge im Kopf, als der Mutter - wie ihm aufgetragen - schleunigst mitzuteilen, dass der Vater in der Krankenbaracke im Sterben liegt. Der Junge überlebt die Zeit, aber ohne seine Mutter…

Aufwühlende Erinnerungen an eine schreckliche Kindheit. Der niederländische Nuklearphysiker Jona Oberski hat sie aufgeschrieben und seinen Adoptiveltern gewidmet, die es nicht leicht mit ihm hatten. Der Autor moralisiert nicht, sondern vertraut der kindlichen Sichtweise. Das ist faszinierend und total verstörend!

Kinderjahre

von Jona Oberski

Diogenes Verlag

148 Seiten

Die Toten von Natchez

Natchez in Mississipi. Penn Cage, Rechtsanwalt und Bürgermeister der Stadt, und seine Verlobte Caitlin, eine ehrgeizige Journalistin, überleben knapp einen Mordanschlag. Eine bekannte rassistische Organisation steckt dahinter. Cage will den kriminellen Verein vor Gericht bringen, doch im Polizeichef des Ortes hat er einen äußerst verschlagenen Gegner. Dem Mann ist jedes Mittel recht, die sog. „Doppeladler“ aus der Schusslinie zu halten. Er hat einflussreiche Freunde. Und Penn Cage bekommt es mit einer üblen Verschwörung zu tun…

Greg Iles ist mit dem zweiten Band der geplanten Trilogie ein atmosphärischer, lebendiger, mitreißender (und blutiger) Thriller gelungen, der solche Hochspannung erzeugt, dass einem beim Lesen die Ohren surren. Neben wenigen Längen hält er vorwiegend Überraschungen parat, die der „elektrischen“ Wirkung des Buches immer wieder neue Stromstöße verleihen.

Die Toten von Natchez

von Greg Iles

Rütten & Loening

1004 Seiten

Rechtsanwalt Sebastian Rudd besitzt eine Kanzlei in einem umgebauten, kugelsicheren Lieferwagen inklusive Kühl- und Waffenschrank. Der Mann hat den Glauben an das amerikanische Rechtssystem längst verloren und übernimmt bevorzugt die hoffnungslosen Fälle: Da wird einer angeklagt, weil er auf ein SWAT-Team schoss, das die falsche Wohnung stürmte; ein Unschuldiger soll für einen Mord büßen, weil die öffentliche Meinung es verlangt. Den unbequemen Anwalt sähen einige am liebsten tot…

Die anekdotenmäßig erzählten Fälle erwecken den Eindruck, als plante Grisham eine TV-Serie mit Rudd. Entsprechend ist der Roman inhaltlich rasant und sprachlich frisch und flott. Das lohnt sich zu lesen! Zumindest größtenteils. Die richtige Ruck-Pointe fehlt leider. Aber das kennen Grisham-Fans.

Der Gerechte

von John Grisham

Heyne Verlag

415 Seiten

Mörderische Wahrheiten

Mit genau 21 Messerstichen wird ein Mädchen getötet. Tatmuster und gefundene DNA weisen auf einen Serienkindermörder hin, der allerdings unlängst im Gefängnis gestorben ist. Hat sich ein Nachahmer gefunden oder war der Verurteilte völlig unschuldig? Die Wiener Polizei ist ratlos. Der frühere Ermittler lag lange im Koma; seine Erinnerungen sind ausgelöscht. Carlotta Fiore, trockene Alkoholikerin mit verkorkster Vergangenheit und eigenwillige Kaufhausdetektivin, kennt sich mit den alten Fällen besser aus, als ihr lieb ist. Weitere Leichenfunde folgen und für die angeschlagene Carlotta wird’s brandgefährlich…

Ein Kracher von Krimi! Ein verzwickter und fesselnder Fall mit liebenswürdigen und lebendigen Protagonisten. Eine gelungene Geschichte mit einem überraschenden Ausgang.

Mörderische Wahrheiten

von Theresa Prammer

List Verlag

493 Seiten

Nebeltod

Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo hat alle Hände voll zu tun: Da wird auf einen Geländewagen geschossen; ein brutaler Pferderipper und ein durchgeknallter Rächer gehen um. Auf einem Gleis wird ein Mann gefunden: Gefesselt, von einem Zug überrollt. Bald darauf bekommt die Polizei ein Foto des Toten mit der Aufschrift „Schuldig“ zugeschickt. Es geschehen weitere Morde. Die Ermittlungen führen den sympathischen HK Benthin zu einer exaltierten, nebulösen Künstlergemeinde.

Echte Tierfreunde werden arg gebeutelt. Manche Details sind nicht für Dünnhäutige geeignet; aber dafür dieses Buch für jeden verwöhnten Krimi-Fan. Eine solide konstruierte Geschichte. Packend und prickelnd wie Nordseewellen, die am Ende des Buches brausend über einen zusammen schlagen.

Nebeltod

von Nina Ohlandt

Bastei Lübbe Taschenbuch

510 Seiten

Schwarzer Lavendel

Leon Ritter, ein deutscher Rechtsmediziner mit französischen Wurzeln, erbt in der Provence einen Weinberg samt Häuschen. Dummerweise wird auf dem Grundstück eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt. Der Fachmann erkennt, dass da ein Profi am Werke war. Dann verschwindet die nächste Studentin spurlos. Bald stellt sich heraus: Beide Frauen wollten bei der Weinernte helfen. Offenbar ist ein Serientäter zugange…

Das ist eher ein Krimi der leisen und bedächtigen Art. Halt typisch Provence. Dennoch vermag er von Anfang an zu faszinieren und reißt seine LeserInnen erbarmungslos mit, auch wegen der gekonnten Perspektivwechsel zwischen Täter, Opfer und Ermittler. Sehr atmosphärisch, mit einer Spur Romantik. Die Lektüre macht zudem Lust auf Urlaub in Frankreichs Südosten.  

Schwarzer Lavendel

von Remy Eyssen

Ullstein Verlag

459 Seiten

Moskau um Mitternacht

Der gefeuerte Russland-Experte Max Rushmore bekommt von der CIA als „freier“ Mitarbeiter einen Routinejob vermittelt: Er soll die Papiere einer Nuklear-Expertin ordnen, die angeblich an Herzversagen starb. Ihre Leiche wurde in halb gefrorenem Zustand gefunden. Rushmore entdeckt bald jede Menge Unstimmigkeiten. Er widersetzt sich seinen Auftraggebern und recherchiert auf eigene Faust. Bald hat er einen fragwürdigen Verfolger und internationle Organisationen an den Hacken…

Dieses Debüt der US-Amerikanerin Sally McGrane ist vielversprechend. John le Carré hat in ihr eine würdige Nachfolgerin gefunden, die den Meister künftig in den Schatten stellen könnte. Ein rasanter, gut geschriebener Spionage-Thriller, der fesselt und nicht mit unerwarteten Wendungen geizt.

Moskau um Mitternacht

von Sally McGrane

Europa Verlag

308 Seiten

Still. Chronik eines Mörders

Ein Außenseiter auf der Suche nach seiner Identität. Karl Heidemann verfügt über abnorme Fähigkeiten - über ein äußerst empfindliches Gehör. Lärm bringt ihn fast um. Zudem kann er in seine Mitmenschen hinein hören. Zuerst wird er von ihnen fern gehalten, doch je näher er ihnen kommt, umso fataler wird es für sie. Karl wird zum Killer; denn Stille ist Erlösung…

Schnell fühlt man sich an Patrick Süßkinds „Das Parfüm“ erinnert. Vielleicht hat es Raab inspiriert. Herausgekommen ist ein eigenständiges Werk mit anderen Facetten, das inhaltlich und sprachlich überzeugt. Ein raffiniertes Gespinst. Raab erweist sich als Wortakrobaten höchster Güte. Das Buch verblüfft, es berührt, stößt ab und reißt mit. Es ist wie ein Naturereignis mit lang anhaltender Wirkung!

Still. Chronik eines Mörders

von Thomas Raab

Droemer Verlag

358 Seiten

Erinnerungen an Schulzenhof

Erwin Strittmatter gehört zu den großen deutschen Autoren. In seinen Werken plädierte er für Menschlichkeit und Mitgefühl. Offenbar war er selbst kaum in der Lage, Gefühle zu zeigen, und scheinbar hat er sich selbst am meisten geliebt! Strittmatters Sohn Erwin Berner (ein Pseudonym) hat seine Erinnerungen an die jungen Jahre mit Vater und Mutter aufgeschrieben. Was für manchen vielleicht wie eine „Abrechnung“ wirkt, ist für mich eine Aufarbeitung und Selbstbefreiung - eines Mannes, dem väterliche Liebe und Anerkennung versagt blieb.

Ich habe das beeindruckende Buch mit einem Kloß im Hals gelesen. Und mit einer gewissen Enttäuschung, was den großen Strittmatter betrifft. Mit seinem literarischen Werk hat das nichts zu tun. Auch Goethe war mitnichten nur ein Gut-Mensch.

Erinnerungen an Schulzenhof

von Erwin Berner

Aufbau Verlag

272 Seiten

Die Versuchung der Pestmagd

1542 in Mainz. Medicus Vincent de Vries bekommt das verlockende Angebot, Leibarzt von Kardinal Albrecht zu werden. Endlich könnte er seine Familie ernähren. Er lässt sich mit seiner Frau, Pestmagd Johanna, und der Familie dort nieder. Doch die Gattin ahnt Ungemach! Plötzlich greifen die Schwarzen Blattern um sich; Tochter Barbara wird entführt. Der Medicus und Johanna sehen sich Anfeindungen und bösen Intrigen ausgesetzt. Das sieht nicht gut aus für die Familie…

Den Vorgänger („Die Pestmagd“) muss man nicht unbedingt gelesen haben; die Autorin hilft mit Rückblenden nach. - Ein tiefer Einblick in eine finstere Zeit. Ein Roman zum Mitfiebern, der unter die Haut geht. Protagonisten, die man atmen hört, in einer Geschichte, die atemlos macht.

Die Versuchung der Pestmagd

von Brigitte Riebe

Diana Verlag

445 Seiten